top of page

Warum wir über Mental Health in der Politik sprechen müssen.
Und warum wir es jetzt tun.

Ist es widersprüchlich, sich für die Förderung  von Minderheiten in der Politik einzusetzen und gleichzeitig ein Buch über die mentalen Belastungen politischen Engagements zu schreiben? Nein. Im Gegenteil. Wir haben nie darin einen Widerspruch gesehen: Menschen zu ermutigen, in die Politik zu gehen und zugleich auf die Strukturen aufmerksam zu machen, die ihnen den Ein- und Aufstieg erschweren, gehört untrennbar zusammen. 

„Wer machts noch? Warum wir über Mental Health in der Politik reden müssen“ ist eine direkte Konsequenz unserer eigenen Erfahrungen. Wir waren beide kommunalpolitisch aktiv und gehörten zu den wenigen Frauen mit Migrationsbiografie in der Kommunalpolitik. Wir kennen mit Sexismus, Rassismus und Klassismus verschiedene Diskriminierungsebenen. Und trotzdem oder gerade deswegen haben wir uns engagiert: weil es immer Menschen braucht, die den Weg für andere ebnen. Doch zur Wahrheit gehört auch: Politisches Engagement kann Menschen an ihre Grenzen bringen. Oder darüber hinaus.

Als wir im Rahmen unseres Sammelbandes “Zu anders für die Macht?” (Herder Verlag, Februar 2025) mit den Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg und Dr. Paula Piechotta über mentale Gesundheit sprachen, wurde uns klar: Das Thema braucht Raum, mehr Aufmerksamkeit und ein eigenes Buch. Hin und wieder haben mutige Politiker:innen offen über ihre Belastungen gesprochen. Doch strukturell bleibt das Thema unsichtbar. 

 

Burnout, Stress und Anfeindungen sind kein Randphänomen, sondern Teil des politischen Alltags. Und trotzdem ein Tabu. Die Bedingungen, unter denen Politik gemacht wird, bleiben oft im Hintergrund, obwohl sie maßgeblich beeinflussen, wie Entscheidungen getroffen werden. Dauerstress, Zeitdruck und Anfeindungen prägen, wie Menschen urteilen, priorisieren und kommunizieren. Wenn politische Arbeit dauerhaft unter solchen Bedingungen stattfindet, bleiben am Ende vor allem diejenigen, die extreme Belastungen aushalten  oder sie verbergen. Das setzt Vielfalt und Repräsentation unter Druck und senkt zugleich die Bereitschaft, sich überhaupt politisch zu engagieren. Die mentale Gesundheit politisch Verantwortlicher ist deshalb keine Privatangelegenheit, sondern eine demokratische Infrastrukturfrage. 

Wer macht´s noch?

In „Wer macht’s noch?“ analysieren wir ein System unter Druck und zeigen, welche Strukturen dazu führen, dass sich immer mehr Politiker:innen aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Wir sprechen mit Mandatsträger:innen aller politischen Ebenen, mit Expert:innen aus Politik, Wirtschaft und Medizin – und mit Menschen, die der Politik den Rücken gekehrt haben, und fragen uns: Wer macht’s noch?

 

Dieses Buch ist ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit, Fürsorge sowie nachhaltigere Strukturen in der Politik und macht Mut, sich für Veränderungen einzusetzen.

Wer wir sind

Tannaz Falaknaz ist Expertin, Trainerin und Moderatorin für Diversity und Frauen in der Politik. Zu ihren Schwerpunkten zählen parteiinterne Strategien zur Gewinnung von Frauen für die Kommunalpolitik. Sie war fünf Jahre lang kommunale Mandatsträgerin in Berlin-Pankow und darüber hinaus viele Jahre parteipolitisch aktiv. Geboren im Iran und aufgewachsen in Deutschland, lebt sie heute in Münster. 

Cécile Weidhofer, geb. Bonnet, ist Director bei der EAF Berlin und arbeitet seit vielen Jahren zu Gleichstellung in Politik und Verwaltung. Zuvor war sie kommunal- und parteipolitisch in Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Die gebürtige Französin lebt mit ihrer Familie in Brandenburg und setzt sich in Workshops und Vorträgen mit Fragen er Demokratie, Repräsentation und politischer Teilhabe auseinander. 

bottom of page